Implantate

Implantation bedeutet übersetzt Einpflanzung. In der Zahnmedizin versteht man unter Implantaten künstliche Zahnwurzeln, die in den Kieferknochen eingesetzt werden, um einzelne, mehrere oder sogar alle Zähne zu ersetzen. Sie dienen demnach zur festen Verankerung für Einzelkronen und Brücken, können aber auch als sichere Stütze für Teil- und Vollprothesen genutzt werden. Zahnimplantate sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Zahnmedizin und sind bei entsprechender Pflege und sorgfältiger Nachsorge ästhetisch wie funktional eine über viele Jahre währende Lösung. Ein implantatgetragener Zahnersatz besteht aus mehreren Teilen: einer künstlichen Wurzel, einem Verbindungsstück und dem darauf befestigtem Zahnersatz, die „Suprakonstruktion“, in Form einer Krone oder Brücke.

Das Material der Wahl bei Zahnimplantaten ist heute fast ausschließlich Titan. Dabei wird die Oberfläche vom Hersteller durch Säureätzung und/oder mechanische Bearbeitung (Strahlung) zum besseren Verbund mit dem Kieferknochen bearbeitet. Implantate aus Keramik sind derzeit noch im Entwicklungsstadium.

Zahnimplantate  sind hauptsächlich zylinder- oder wurzelförmig. Sie werden nach Bohrung in den Kieferknochen (ähnlich eines Gewindeschneidens) in diesen geschraubt. 2008 wurden allein in Deutschland über 500.000 Zahnimplantate gesetzt; die Tendenz ist steigend. Die meisten Zahnimplantate müssen nach Einbringen in den Kieferknochen unbelastet für einige Monate unter der zugenähten Mundschleimhaut einheilen. Nach dieser Einheilzeit werden die eingeheilten Implantate durch einen kleinen Schleimhautausstanzschnitt freigelegt und ein sogenannter Gingivaformer in das Implantat eingeschraubt, um den Schleimhautsaum an der Durchtrittsstelle ideal zu formen. Weitere zwei Wochen später erfolgt die Abformung des Kiefers mit den Implantaten und die Anfertigung des Zahnersatzes durch das zahntechnische Labor (Dentallabor).

Wenn sich wegen des Zahnverlustes der Kieferknochen am Ort der geplanten Implantatsetzung zurückgebildet hat,  ist vor Implantatsetzung ein Kieferkammaufbau notwendig. Meist wird dieser gleichzeitig zusammen mit der Implantatsetzung vorgenommen.

Weltweit gibt es etwa 80 größere Hersteller und über 200-300 unterschiedliche Implantatformen. Die Hauptunterschiede der einzelnen Implantatsysteme sind die Oberflächenbeschaffenheit, die ausschlaggebend ist für den Implantat-Knochenverbund (und damit für die sogenannte Osseointegration), und die Formgebung (Makro- und Nanostruktur).
Aktuelle Implantatsysteme haben eine aufgeraute Implantatschulter (die Implantatschulter ist der obere Anteil des Implantats) sowie ein  Mikrogewinde im Bereich der Implantatschulter. Manche Implantatsysteme haben eine zusätzliche Beschichtung für einen besseren Knochen-Implantatverbund.


Zu Beginn der zahnärztlichen Implantologie wurden Implantate nur in den Kieferbereiche gesetzt, welche ein ausreichendes Knochenangebot aufwiesen. Da es mit den heute zur Verfügung stehenden operativen Maßnahmen und Möglichkeiten des Knochenaufbaus fast immer möglich ist, ein passendes Knochenangebot in allen Kieferregionen  zu schaffen, hat sich seit den 1990er Jahren die Implantologie grundlegend verändert: Zuerst wir unabhängig von der aktuellen knöchernen Ausgangssituation festgelegt, welche Art der prothetischen Versorgung gewünscht wird und erst danach festgelegt, an welchen Stellen im jeweiligen Kiefer hierfür Implantate benötigt werden.

Grundsätzlich lassen sich vier verschiedene diagnostische Ausgangssituationen unterscheiden:

  • Der Einzelzahnersatz bei Verlust oder geplanter Extraktion eines einzelnen Zahnes,
  • Die Schaltlücke. Hier fehlen mehrere Zähne im Zahnbogen, die Lücke ist jedoch auf beiden Seiten von erhaltungswürdigen Zähnen begrenzt,
  • Die Freiendsituation. In diesen Fällen fehlen Zähne am Ende der Zahnreihe im Seitenzahnbereich,
  • Der zahnlose Kiefer.

Nicht selten sind bei Behandlungsbeginn Kombinationen aus 1. bis 3. in einem Kiefer, oder Kombinationen aus allen 4 Ausgangssituationen in beiden Kiefern vorhanden.

Entsprechend dem Behandlungsstandard sind zu Beginn einer implantologischen Beratung folgende Fragen mit dem Patienten zu klären:

  1. Wird ein implantatgetragener und herausnehmbarer Zahnersatz (sog. herausnehmbare Brücke) oder ein festsitzender Zahnersatz (zementierte Kronen oder Brücken) gewünscht?
  2. Wie ist die Mundhygiene des Patienten und welchen Aufwand bei der Implantatpflege möchte oder kann der Patient nach der Versorgung betreiben?
  3. Wie hoch ist der ästhetische Anspruch des Patienten?
  4. Welche therapeutischen bzw. operativen Aufwand ist der Patient bereit zu betreiben?
  5. Welchen finanziellen Rahmen möchte der Patient für die implantologische Versorgung aufwenden?

Als Faustregel kann man sich merken:

  1. Der Einzelzahnersatz sowie die einseitige Schaltlücke oder Freiendsituation werden immer mit festsitzenden implantatgetragenen Kronen bzw. Brücken versorgt.
  2. Implantatgetragener, herausnehmbarer Zahnersatz ist oft kostengünstiger als festsitzender, implantatgetragener Zahnersatz. Gründe erhöhter operativer Aufwand, größere Anzahl benötigter Implantate sowie höhere zahntechnische Kosten des Dentallabors für den festsitzenden Zahnersatz.

In aller Regel wird jedoch nicht jeder fehlende Zahn eins zu eins durch ein Implantat ersetzt.

Prinzipiell gilt, dass eine höhere Implantatanzahl in der Regel eine bessere längerfristige Erfolgsprognose (Implantatüberlebenszeit) zur Folge hat. Außerdem ist es von Vorteil, dass eine gewählte implantologische Versorgung bei einem weiteren Verlust von Zähnen problemlos durch weitere Implantate erweiterbar ist, ohne immer die teure prothetische Versorgung der Implantate (sog. Suprakonstruktion) erneuern zu müssen.

Um vor der Implantation das vorhandene Knochenangebot exakt im Röntgenbild abschätzen zu können und im Unterkiefer eine potenzielle Verletzung des Hauptnerven (N. alveolaris inferior) auszuschließen, ist grundsätzlich eine Messkugelaufnahme (Röntgenbild des Kiefers mit Metallkugel(n) oder Bohrhülse(n) in einer Kunststoffschablone) angezeigt. Jedoch sind bei größeren Implantatversorgungen oft Computertomographie (CT) bzw. digitale Volumentomographie (DVT) für eine exakte dreidimensionale Ausmessung des Knochenangebots im Kiefer möglich und sinnvoll.

Zu den neueren, teilweise jedoch mit Misstrauen beachteten, Entwicklungen in der Implantologie zählen die sogenannte Sofortimplantation und die Sofortbelastung von Implantaten: Bei der Sofortimplantation wird sofort nach der Zahnentfernung ein Zahnimplantat in das Zahnfach im Kiefer eingebracht. Hierdurch kann das natürliche Knochenschrumpfen nach Zahnverlust mit ihren insbesondere im Frontzahnbereich negativen ästhetischen Folgen weitgehend aufgehalten werden. Sollte eine genügende Stabilität des Implantates vorhanden sein, kann dieses dann sofort mit einer provisorischen Krone oder Brücke versorgt werden (Sofortbelastung).

Auch die Sofortbelastung von Implantaten mit herausnehmbarem Zahnersatz ist möglich. Bei ebenfalls genügender Stabilität der Implantate wird hierbei die bisherige Vollprothese – vorzugsweise im Unterkiefer – direkt mittels konfektionierter Teleskopen auf diesen Implantaten verankert.

Zum Abschluss noch einige Bemerkungen zu den Kosten: Wie bereits die Volksweisheit sagt, kann man nicht Äpfeln mit Birnen vergleichen. Die Einzelbeträge in einem Kostenvoranschlag setzen sich zusammen aus:
den ärztlichen/zahnärztlichen Behandlungskosten,
den Verbrauchsmaterialien (Knochenersatzmaterial, Membranen, etc.),
den Implantatkosten und
den zahntechnischen Kosten für die prothetische Suprakonstruktion (d.h. den Zahnersatz: Kronen, Brücken, Teleskope, Stege, Prothesen, etc.).

Häufig machen die zahntechnischen Leistungen mehr als 50% der Kosten aus. Dabei ist festsitzender Zahnersatz häufig teurer, da sie aufwändiger in der Herstellung sind als herausnehmbarer Zahnersatz. Aber auch bei herausnehmbarem Zahnersatz spielt es eine Rolle, auf wie vielen Implantaten er abgestützt ist, ob Magnete, Kugelknopfanker, konfektionierte Stege, individuell gefräste Stege oder Teleskope als Halteelemente zur Anwendung kommen und mit welchem Material gearbeitet wird. Auch hier gilt die Fastregel: Komfort und Qualität hat ihren Preis.

Dasselbe gilt auch für das verwendete Implantatsystem: Kurzlebige Nachahmerprodukte mit fraglich langer Präsenz auf dem Implantatmarkt (und damit auch fraglicher Ersatzteilbereitstellung) sind in der Regel billiger als die wissenschaftlich gut untersuchten Qualitätssysteme der großen Implantathersteller. Schließlich spricht auch der operative und prothetische Aufwand der Implantatversorgung bei der Kalkulation der chirurgischen Verbrauchsmaterialien und der ärztlichen/zahnärztlichen Kosten eine nicht geringe Rolle.

Als Faustregel gilt auch hier wie in der ganzen Zahnmedizin: Wird nicht die exakt gleiche Versorgung (Implantatanzahl, Implantatsystem, prothetische Versorgung) angeboten, dann sind für Sie als Patienten die Kostenvoranschläge von 2 unterschiedlichen Implanteuren/Zahnärzten nicht zu vergleichen.

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Einbringen eines Implantates, Fotos: proDente e.V.

Die Langlebigkeit wird von der Professionalität des Zahnarztes und seiner Behandlung, außerdem von der Knochenbeschaffenheit des Kiefers und in besonderem Maße von der Nachsorge und der persönlichen Mundpflege des Patienten bestimmt.