Zungenbrennen

Zungen- oder Schleimhautbrennen ist eine z. T. sehr unangenehme und belastende Empfindungsstörung. Die betroffenen Areale verändern sich nur teilweise in ihrer Struktur. Daher ist es für den Zahnarzt häufig sehr schwierig, eine Diagnose zu stellen. Allgemeine Krankheitsbilder können, genauso wie lokale Faktoren, ein Brennen hervorrufen. Oft spielen auch psychische Komponenten, z. T. auch alltäglicher Stress, eine entscheidende Rolle. Liegen strukturelle Veränderungen der schmerzenden Bereiche vor, lässt sich eine Diagnose leichter stellen. Entsprechend der Ursache wird eine Therapie in Bezug auf das zu Grunde liegende Krankheitsbild oder zur lokalen Schmerzlinderung angewandt. Es ist häufig sehr schwierig und bedarf etlicher Medikationen und viel Geduld, bis der Patient frei von Zungen- oder Schleimhautbrennen ist.

Allgemeines - Definition

Ein Zungenbrennen einer bestimmten Ursache zuzuordnen und dann noch erfolgreich zu therapieren, bereitet auch dem fähigsten Zahnarzt häufig Probleme. Dieses Erscheinungsbild kann sich in einer großen Vielzahl und Ursächlichkeit zeigen.

Zungenbrennen kann allein oder im Zusammenhang mit einem Brennen der Mundschleimhaut auftreten. Der Patient äußert oft nicht ausschließlich ein Brennen, sondern auch andere Empfindungsstörungen, wie ein Kribbeln, Jucken, Stechen oder Wundsein. Geschmacksstörungen sind keine Seltenheit, sowie auch Mundtrockenheit häufig beklagt wird.

Die Beschwerden schwanken in ihrer Intensität und in ihrer Lokalität, vor allem was die Mundschleimhaut betrifft. Die Zunge ist meist seitlich und im Bereich ihrer Spitze betroffen, wobei jedoch keine Zusammenhänge mit dort entlanglaufenden Nerven bestehen. Im Laufe des Tages nimmt die Missempfindung oft zu; so beginnt sie morgens schwach und kann am Abend kaum erträglich sein.

Häufiger treten kleine Entzündungen einzelner Zungenpapillen durch mechanische oder chemische Reize auf. Sie sind für den Patienten als maximal Stecknadelkopf große, weiße, erhabene Knubbel spürbar und im Spiegel zu erkennen. Trotz ihrer störenden und unangenehmen Natur lösen sie kein Brennen aus.

Ursache - Diagnose

Organische, mit dem Auge erkennbare Veränderungen stellen sich selten dar.

Es muss stets untersucht werden, ob ein lokaler Reiz die Zunge oder Mundschleimhaut traumatisiert bzw. eine Allergie hervorruft. Hier kommen scharfe Zahnkanten, Karies, Zahnstein, überstehende Füllungsränder, abstehende Kronenränder, kieferorthopädische Apparaturen, galvanische Ströme durch verschiedene Metalle im Mundraum und bestimmte Mundschleimhautentzündungen, so genannte Gingivitiden, in Betracht.

Ein übermäßiger direkter Kontakt der Mundhöhle mit scharfen und/oder heißen Speisen, Alkohol, Nikotin, Tabak, Pfefferminztee und Süßigkeiten ist ebenso als Auslöser möglich.

An Kontaktallergien durch Mundwasser, Zahnpasten, Kaugummis, Quecksilber, Metalle wie Nickel, Chrom und selten Gold, wie sie in bestimmten Berufssparten, bei zahnärztlichen Versorgungen und beim Piercing verwandt werden, denkt man oft nicht sogleich.

Auch eine spät diagnostizierte falsche Bisshöhe kann nicht nur Verspannungen und Kiefergelenksprobleme, sondern auch Mundschleimhautveränderungen auslösen.

Rasch steht die Ursache leider nach chirurgischen Eingriffen im Kieferbereich fest, bei denen dort verlaufende Nerven beschädigt wurden. Wobei hier nochmals erwähnt sei, dass diese Nervschädigung als Ursache eingeordnet wird, aber eine direkte Verbindung medizinisch noch nicht nachgewiesen wurde. Das Versorgungsgebiet des verletzten Nerven bzw. dessen Qualität und die Beschwerden stimmen meist nicht überein!

Allgemeine Erkrankungen sind bei der Klärung der Ursache mit einzubeziehen. Vitamin B-, Eisen-Mangelerscheinungen, Diabetes, eine funktionseingeschränkte Leber und Blutarmut, dabei im besonderen die so genannte Vitamin B 12-Mangelanämie mit der Moeller-Hunter-Zunge, können ein Zungen- oder Schleimhautbrennen hervorrufen. fairviatl - Bioaktive Vitalstoffe

Wichtig und die weitaus häufigste Ursache sind die psychischen Faktoren. Depressionen können körperliche Beschwerden so weit in den Vordergrund schieben, dass die grundlegenden psychischen Probleme schwer zu erkennen sind. Die Patienten klagen neben der oralen Problematik oft über Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Lustlosigkeit, Appetitmangel und Angst, z.B. vor dem Versagen bzw. drohenden schweren Krankheiten. Im extremen Fall ist Zungenbrennen bei Schizophrenie-Patienten festzustellen.

Aber auch Stress allein kann nicht nur Verspannungen und Fehlbewegungen des Kausystems, sondern auch Missempfindungen der Mundschleimhaut verursachen. Gleiches gilt auch für die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre bei der Frau.

Leichter für den Zahnarzt zur Ursachenfindung ist es, wenn die Zunge sich in ihrer Form, Farbe oder allgemeinen Beschaffenheit verändert hat. Ein Brennen kann mit folgenden Veränderungen der Zunge korrelieren:

  • Landkartenzunge, die so genannte Lingua geographica
  • Faltenzunge, die so genannte Lingua plicata, oder eines
  • Lichen ruber planus.

Ersichtliche Schleimhautveränderungen, die auf einem ungenügenden Prothesensitz, einem Wärmestau unter der Prothese oder einer Prothesenunverträglichkeit, der so genannte Prothesenstomatitis beruhen, sind ebenfalls schnell diagnostiziert.

Einige Krankheitsbilder, bei denen ein Zungenbrennen auftreten kann, sollen im Folgenden nochmals etwas genauer dargestellt werden:

Landkartenzunge = Lingua geographica

Zu allererst sollte gesagt sein, dass die Langkartenzunge eine gutartige Variante der normalen Epithelbeschaffenheit der Zunge darstellt. Eine Landkartenzunge ist charakterisiert durch glatte hellrote Flecken, die auf dem andersartig roten Zungenrücken meist vom Zungengrund zur Zungenspitze wandern. Ihr Aussehen vermittelt wirklich das Erscheinungsbild einer Landkarte. Die separaten oder zusammenhängenden helleren Flecken entstehen durch das Verschwinden bzw. den Abrieb von Fadenpapillen. Eine jede Zunge hat stets unterschiedliche Arten von Papillen, über die die verschiedenen Geschmacksempfindungen vermittelt werden. Das Wandern dieser helleren Areale mit ihren regel- oder auch unregelmäßigen Begrenzungen ist einerseits auf den Abrieb der Papillen und andererseits auf die Regeneration zurückzuführen. Es handelt sich hierbei um einen chronischen Prozess, der zwar ein Brennen hervorrufen kann (vor allem bei scharfen Speisen), aber grundsätzlich nicht beunruhigend ist. Diese Veränderungen können bereits bei Kleinkindern auftreten, bedürfen jedoch keiner Therapie; eine spontane Rückbildung ist möglich.

Faltenzunge = Lingua plicata

FaltenzungeDie Faltenzunge tritt bei rund 12% der Bevölkerung auf. Eine Faltenzunge stellt sich durch symmetrische Einkerbungen und Erhebungen im vorderen und mittleren Teil dar. Diese werden durch einstrahlende Muskelzüge verursacht und sind daher in ihrer Ausprägung von zart bis sehr tief oft unterschiedlich. Sie bietet leider einen hervorragenden Nährboden für bakterielle Infektionen. So findet man sie häufiger bei Syphilis, Tuberkulose, Sjögren-Syndrom, Folsäuremangel aber auch bei Lichen ruber planus und der Moeller-Hunter-Glossitis. Pathologische Faltenzungen können bei der Glossitis granulomatosa (in ca. der Hälfte aller Fälle als Symptom beim sog. Melkersson-Rosenthal-Syndrom) auftreten. Innerhalb einer Familie zeigt sie sich gehäuft, wobei sie sich jedoch erst ab dem 4.Lebensjahr und bis zum 2.Lebensjahrzehnt stetig entwickelt. Einer Therapie müssen sich die Patienten diesbezüglich nicht unterziehen. Nur ein unangenehmes Zungenbrennen kann leider auftreten.

Lichen ruber planus

Lichen ruber planusLichen ruber planus ist ein komplexes Krankheitsbild, das wahrscheinlich durch eine Autoimmunreaktion hervorgerufen wird. Es werden jedoch auch andere Ursachen diskutiert, wie beispielsweise eine Virusinfektion oder eine lokale Immunabwehr. Eine abschließende Zuordnung der Entstehung konnte bisher noch nicht festgelegt werden. An der Wangenschleimhaut, der Wangenumschlagfalte im Seitenzahnbereich, der Zungenunterseite, dem Zungenrücken, dem Mundboden, der Gingiva, dem Gaumen und dem Lippenrot können häufig zierliche, grauweiße, z. T. vernetzte, nicht abwischbare, pustelige Veränderungen vorkommen. Es sind mehr Frauen als Männer befallen. Gehäuft zeigt sich der Lichen ruber planus zwischen dem 4. und 6.Lebensjahrzehnt. Er muss alle drei Monate kontrolliert werden, da er sich sehr variabel darstellt und eine bösartige Entartung möglich ist. Der Lichen ruber soll in etwa 50% der Fälle mit Hauterscheinungen auftreten.

Allergien

Allergien sind Überempfindlichkeitsreaktionen des körpereigenen zellulären Abwehrsystems gegenüber körperfremden, eigentlichen unschädlichen Substanzen, den so genannten Allergenen. Allergien können angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden. Es verursachen verschiedenste Allergene die unterschiedlichsten Reaktionen. Auf welche Art und nach welcher Zeit sich das klinische Bild zeigt, hängt von der Sensibilität, dem Aufnahme- und dem Entstehungsmechanismus im Körper ab. Mundschleimhautveränderungen prägen sich meist beim so genannten verzögerten Typ aus. Das bedeutet unter anderem, dass 12 bis 72 Stunden vergehen müssen, bis eine allergische Reaktion überhaupt sichtbar werden kann. Veränderungen, die ein Brennen mit sich bringen, sind meist kräftig rot verfärbte, leicht geschwollene, glatt begrenzte, unförmige Areale.

Prothesenunverträglichkeit = Prothesenstomatitis

Unter einer Prothesenstomatitis versteht man Unverträglichkeitserscheinungen in Form von Mundschleimhautentzündungen und subjektiven, symptomatischen Beschwerden nach der Eingliederung von herausnehmbarem Zahnersatz. Die symptomatische Prothesenstomatitis äußert sich meist durch Mundbrennen, Hitzegefühl, Mundtrockenheit und vereinzelten Sensibilitätsstörungen. Auch andere Krankheiten, wie Vitamin B 12-Mangel- oder Eisenmangelanämie, Magenschleimhautentzündung, Leber- oder Kreislaufstörungen, können wiederum eine Stomatitis bedingen. Davon abzugrenzen ist die autonome Prothesenstomatitis, die auf den der Prothese direkt anliegenden Schleimhautarealen lokalisiert ist. Sie entsteht durch mechanische, stoffliche oder thermische Reize und versetzt die Schleimhaut eher in einen trockenen, glatten, glänzenden, matten, gequollenen, fein oder grob granulierten Zustand.

Moeller-Hunter-Glossitis

Die Moeller-Hunter-Glossitis kann als alleiniges Krankheitsbild oder als Teilsymptom eines oder mehrerer Krankheitsbilder, wie z.B. bei der Vitamin B 12-Mangel-Anämie oder Eingeweidewürmern, in Erscheinung treten. Sie kann sich als klassisches Symptom oder als Frühsymptom präsentieren, bevor die eigentliche Krankheit überhaupt erkennbar ist. Durch heftiges, zunächst anfallsweises Brennen, welches Sprechen, Kauen und Zungenbewegungen fast unmöglich werden lässt, macht sie sich bemerkbar. Die Zunge schwillt leicht, zeigt eine blasse Farbe mit verstreuten feuerroten Flecken oder Streifen sowie verlängerte, verdickte Fadenpapillen. Die Ränder dieser Bereiche zeigen sich glänzend, papillenfrei und liegen meist an der Zungenspitze oder dem Zungenrücken. Die Erkrankung ist chronisch und entsteht gerne auf einer Faltenzunge.

Sexuelle Kontakte

Erkrankungen, die sich durch Schleimhaut-Schleimhaut Kontakte verbreiten, können durch orale sexuelle Praktiken übertragen werden. Bakterien, Viren, Pilze etc. werden nicht nur durch den Mund in den Körper aufgenommen, sondern treten z. T. auch als erstes direkt im Mundraum in Erscheinung. Ein Brennen von Zunge oder Schleimhaut wird von den betroffenen Patienten jedoch primär bei keiner Krankheit geäußert.

Eine ebenfalls sehr gute Information zum Thema Zungenbrennen bietet die DGZMK.